AQUA

AQUA

Aqua-Rezension01 Aqua-Rezension02

BUCH  –  REZENSIONEN 

baz 

St. Galler Tagblatt. 6.12.2014

Bildschirmfoto 2014-12-08 um 10.14.37 

image001

Beo_22_036_Repo_Wasser[1]_Seite_2Beo_22_036_Repo_Wasser[1]_Seite_6Beo_22_036_Repo_Wasser[1]_Seite_4

WASSER, DAS EDLE GUT

Der Basler Fotograf Beat Presser zeigt in seinen Bildern die Bedeutung des Wasserschlosses Schweiz auf – das Land als Drehscheibe für Europa. Wasser bleibt permanent in Bewegung. Auch ein Gletscher, der scheinbar still zwischen den Bergen liegt, schleift sich unmerklich talwärts. Millimeter für Millimeter schiebt sich der Eisstrom in die Wärme, wo die geschmolzene Gletschermilch tosende Bäche speist. Nach langer Reise ergiessen sich die Flüsse schliesslich in die Nordsee, die Adria oder das Schwarze Meer; die Wassertropfen verdunsten dann und vom Wind zurück in die Alpen getrieben werden. Hier kühlt die Luft ab, und die geschwollenen Wolken schütten das Wasser als Regen oder Schnee über die Berge. Der Kreislauf beginnt erneut.

Die Berge als Wassertürme Im Bildband „Aqua“ dokumentiert der Fotograf Beat Presser diese Wandlung von Wolken zu Eis zu Wasser und zurück. Der Basler fängt mit seiner Analogkamera auch die Schönheit des Elements ein – stille Bergseen, wuchtige Eisbrocken oder gefrorene Gischt, die vom Wind aus dem Genfersee gepeitscht wurde. Pressers Ziel war, die Bedeutung des Wasserschlosses Schweiz aufzuzeigen: Hierzulande sammelt sich eine enorme Menge Wasser und gelangt dann über Flüsse wie Rhein oder Rhone ins restliche Europa. Jedes Jahr Jahr verlässt eine Wassermasse von 53 Kubikkilometern das Land, was ungefähr dem Inhalt von Bodensee und Brienzersee entspricht. „Pro Quadratmeter Boden fliesst bei uns drei Mal mehr Wasser ab als aus Deutschland“, sagt Dr. Rolf Weingartner von der Uni Bern, Präsident der Schweizerischen Hydrologischen Kommission. Das Wasser, das in der Schweiz aus den Wolken fällt, kommt aber ebenfalls von weit her. Mehr als ein Drittel davon trägt der Westwind als Wolken aus dem Nordatlantik in die Schweiz. Südlich der Alpen ist es hingegen primär die warme, feuchte Mittelmeerluft, die an die Bergwände prallt und sich als Regen oder Schnee entlädt. „Weil die Berge so viel Wasser in Gletschern oder Schnee zwischenspeichern, nennt man sie auch Water Towers“, sagt Weingartner – Wassertürme. Immer mehr sorgen sich die Forscher jedoch um die ausgleichende Wirkung der Berge. Denn Klimawandel und Gletscherschwund führt dazu, dass der Niederschlag künftig sofort abfliesst und nicht als Schnee oder Eis gespeichert wird. Die Folgen: Abwechslungsweise stärkere Trockenphasen und Hochwasser.

Das edle Wasser Das Wasser verlässt nicht nur in Flüssen die Schweiz, sondern versammelt sich auch im Untergrund, wo es im Mittel zehn Jahre in der Dunkelheit verharrt. Als Trinkwasser wird es aus den unterirdischen Kammern gepumpt, knapp die Hälfte davon ist ohne Aufbereitung trinkbar. „Unser sauberes Wasser ist das edelste Gut, das wir hier in der Schweiz haben“, sagt Fotograf Beat Presser. Bevor das Wasser jedoch aus den Hähnen gezapft wird, durchfliesst es zuerst das Schweizer Leitungsnetz – ein verwinkeltes Rohrsystem von insgesamt 53 000 Kilometern Länge, das ausgestreckt über ein Mal um den ganzen Erdball reichen würde. JESSICA KING, BEOBACHTER Nr. 22

FM MAGAZIN FRANKFURT

Bildschirmfoto-2014-10-31-um-12.20.27

Über zwei Jahrzehnte war Till Schaap Leiter des Schweizer Benteli Verlags, bevor er im vergangenen Jahr in Bern seinen eigenen Verlag gegründet. Fotografie ist neben Kunst und Kulturgeschichte einer der Schwerpunkte seiner Arbeit. Der 62-jährige Beat Presser ist nach der Ausbildung zum Fotografen Herausgeber der Fotozeitschrift «Village Cry». 1981 begleitete er Werner Herzog als Fotograf bei seinem Film «Fitzcarraldo» und sechs Jahre später bei «Cobra Verde». Die bei dieser Arbeit entstandenen Bilder von Klaus Kinski dürften vielen noch in Erinnerung sein. Ab Mitte der 90er-Jahre nahm Presser weltweit diverse Gastprofessuren an Foto- und Filmschulen wahr und arbeitete intensiv mit dem Goethe Institut und Pro Helvetia zusammen, aber auch mit dem WWF. Das über mehrere Jahre entstandene eindrucksvolle Buch handelt vom edelsten und wertvollsten Gut der Welt, dem Wasser, und von gefrorenem Wasser, dem Eis. Viele haben noch immer nicht deren Wichtigkeit erkannt. Weil die Quellen der wichtigsten europäischen Ströme, Rhein, Rhone, Po und Inn, in den Schweizer Alpen liegen, gilt die Schweiz als Wasserschloss Europas. Beat Presser schuf eine Hommage an dieses wunderbare Element und zeigt in großformatigen Panoramabildern die einmalige Schönheit der faszinierenden Wasser- und Eislandschaften in der Schweiz. Ein großer Teil dieser Fotografien wird oder hat bereits einen historischen Wert, da viele Eislandschaften aufgrund der klimatischen Veränderungen für immer verloren gehen werden oder in der Zwischenzeit bereits verschwunden sind.

AQUA-TAGESWOCHE_Eine Ebene