REISE NACH MANADO

REISE NACH MANADO

Fotografie: Shopping Malls, die letzten Jagdgründe

Bitung. 10 Tage später; noch immer kein Diesel. Wir kommen nicht vom Fleck und die Schiffe nicht aus dem Hafen. Noch immer tobt und stürmt es vor Sulawesi. Wir nutzen die Gunst der Stunde und fahren mit dem Bus nach Manado, der Stadt, von der Alfred Russel Wallace in seinem Buch The Malay Archipelago vermerkte, sie sei eine der schönsten im ganzen Archipel. Er schwärmt von schönen Gärten und Villen, sauberen Strassen, Fruchtbäumen, Plantagen und dem pittoresken Vulkan. Der Vulkan ist geblieben, vom ehemaligen Glanz aber ist nicht mehr viel übrig, oder ich habe ihn übersehen.

Eine Seite weiter beschreibt Wallace die Leute, die bis vor kurzen ­– wir schreiben das Jahr 1859 – in Manados Umgebung noch Wilde gewesen sein müssen. Jeder Stamm hätte seinen Häuptling, jedes Dorf seine eigene Sprache und jede Siedlung hätte mit der nächsten oder übernächsten in ständigem

Zwist und Krieg gelebt. Sie waren Kopfjäger und Kannibalen und sei ein Häuptling gestorben, so hätte man zwei Feinde gejagt und mit deren Köpfen das Grab geschmückt. Waren keine Feinde zur Hand, so wurde Sklaven enthauptet um der Tradition alle Ehre zu machen. Auch Kopfjäger und Kannibalen soll es heute nicht mehr geben auf Sulawesi. Aber der Jagdtrieb ist den Leuten geblieben.

Sonntag Nachmittag, ich schlendere durch Manados Hauptstrasse. Eine Shopping Mall an der anderen. Einstöckig, Mehrstöckig, Fünfstöckig. Malls, soweit das Auge reicht. Zu Tausenden sind Leute mit schweren Plastiksäcken unterwegs. An- und aufgefüllt mit allem Möglichen und Unmöglichem. Kein Wunder reisen Regierungschefs mit Kaufleuten und Wirtschaftssachverständigen aus dem Westen nach China und zu anderen Schwellenländer in Asien um sinnvolle und weniger sinnvolle Produkte loszuwerden. Hier sind die Absatzmärkte! Hier wird auch nicht gross gefragt, wie und unter welchen Umständen etwas produziert ist und was es für Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat. Hauptsache Viele kaufen Vieles.

Am Eingang einer Mall komme ich mit einer Frau ins Gespräch. Sie hat zwei riesige Plastiksäcke mit Papierwindeln in der Hand. Die seien für Ihre Enkelin, sie wohne auf einer benachbarten Insel und freue sich, dass sie Ihrer Schwester jetzt diese Wegwerfwindeln mitbringen könne. Ich sehe bereits die gebrauchten Windeln im Meer davonschwimmen.