Unser Schiff. Mit 80 Passagieren und Crew von Selayar nach Bonerate

REISE NACH BONERATE

Fotografie: Unser Schiff. Mit 80 Passagieren und Crew von Selayar nach Bonerate

Im Hafen von Poetere liegen viele Pinisis mit Waren aller Art. Von und nach überall hin im Archipel. Ein Schiff lädt eine riesige Ladung Ovomaltine. Samsjul, der Sohn des Besitzers des Schiffes kommt mit seiner Freundin die Pier entlang geschlendert und erzählt mir, daß seine Familie seit Generationen im Seehandel tätig sei und eine Miniflotte unterhalte. Sie würden Waren von Makassar nach Bonerate – einer kleinen Insel südlich von Sulawesi im Sunda Meer – und nach Labuanbajo in Westflores und zurück transportieren. Als ich ihm erzähle, die Schweiz sei das Geburtsland der Ovomaltine, meint Samsjul spontan, ich solle ihn auf Bonerate besuchen, er wäre in 10 Tagen dort. Von Bira aus mit der Fähre nach Selayar, dann mit irgendeinem kleineren Schiff nach Bonerate. Die Idee ist nicht ganz abwegig. Wie sagte John Cage so schön: „Wenn Du etwas in Angriff nehmen willst, dann fang einfach irgendwo an!“

Auf der Fähre nach Selayar mache ich Bekanntschaft mit Faizal. Er unterrichtet Agronomie an einem College in Beneng, der Hauptstadt der kleinen langgezogenen Insel. Die Überfahrt ist kurz aber heftig, die meisten Leute seekrank. Stunden später und nach Sonnenuntergang sitze ich bei seiner Familie auf dem Sofa und gemeinsam geniessen wir die vorzügliche indonesische Küche. Spät am Abend fährt uns Faizal’s Vater zum Hafen. Im Nu finden wir ein kleines Passagierschiff, das tags darauf nach dem Freitagsgebet in See stechen soll.

Das 14m lange und 3m breite Boot ist bereits Stunden vor der Abreise zum Bersten voll; 80 Passagiere und 14 Motorräder, verteilt auf ein Unter- und ein Oberdeck. Der mir zugeteilte Platz ist eng und wird zunehmend enger, als wir bei brütender Hitze den Anker lichten. In der Nacht wird es bitterkalt, aber ein fantastischer Sternenhimmel wiegt alle Unannehmlichkeiten wieder auf – auch, daß das Schiff keine Toilette beherbergt und der Rauch der Dieselmaschine den Kopf benebelt. 18 Stunden später erreichen wir Bonerate, der Rücken schmerzt, der Schädel brummt, das Gepäck durchnäßt von Spritzwasser und der Feuchtigkeit der Nacht. Aber ich bin in Bonerate, einer Insel, deren Existenz ich vor 10 Tagen nicht einmal erahnte!