Manöver

MEDINA

Die Medina, 2008 gebaut, 27m lang, 6m breit und 200t schwer. Das Schiff ist vollgepackt. 100t Möbel, Matratzen, Eisschränke, Flachbildschirme, Reiskocher, Stromgeneratoren, Stereoanlagen, Karaokezubehör, eine Twin Tube Waschmaschine, zwei Tumbler, rot-weiss getupfte Fußbälle und tonnenweise Mehl. Um vier Uhr morgens lichten wir den Anker und fahren in die Nacht hinaus. Bei Sonnenaufgang und einem 800 ASA Film werden die Fotografien gestochen scharf. ­­­

8h 10. Kapitän Nidun nimmt eine kleine Kursänderung vor nach SSE 115° bei 5.5 Knoten. Das schreibt das GPS, das der Kapitän soeben an seine Motorradbatterie angeschlossen hat.

11h10. 4.1 Knoten bei starkem Gegenwind und Strömung aus Südost. Leichter Wellengang, teilweise bedeckt mit schwarzen drohenden Wolken. Der junge Maat, der das Steuer übernimmt hat schwer zu kämpfen, das Boot auf Kurs zu halten. Als Zwischenverpflegung Reisbananen und Schwarztee. Dazu die obligate Gudang Garang Zigaretten. Bedrohlich schwankt das Schiff; im Unterschiff purzelt die nur spärlich vertäute Ladung hin und her. Einer der beiden Jungmatrosen liegt seekrank auf dem Achterndeck und der Kapitän gibt Befehl zum Segelsetzen. Nur je ein Mann ist braucht es um die Fock und das Hauptsegel zu hissen. Die Segel aus blau-weiss kariertem Nylon sind leicht, trocknen schnell und sind unkompliziert in der Wartung.

16h. 4.6 Knoten. Bonerate ist am Horizont verschwunden. Trotz zusätzlicher Besegelung bleibt die Geschwindigkeit konstant. Ein schweres Schiff mit schwerer Ladung stemmt sich seinem Ziel entgegen. Wasser und Meer wohin man blickt. Nur klein am Horizont sind 6 Pinisis auszumachen. Alle mit blauen Segeln. Ich klettere vom Vorderschiff nach Achtern, wieder zurück und mache meine Bilder. Kein leichtes Unterfangen bei hohem Seegang, starkem Wind und klitschigem, naßgespritztem Deck.

19h. 6 Knoten. Wir halten Kurs. Nachtessen. Reis und Salz, ohne jegliche Zutaten. Niemand hatte heute Lust die Angel ins Wasser zu halten, um sein Glück zu versuchen, ohne Netz mache die Fischerei keinen Sinn, so der Kommentar. Aber die Crew liegt ohnehin darnieder. Vom Schlaf übermannt. Eingeschläfert vom monotonen und rüttelnden Motorengeräusch, benebelt von den giftigen Abgasen des lauten Dieselmotors.