Hahnenkampf auf Bonerate

BONERATE

Fotografie: Hahnenkampf auf Bonerate

Von Samsjul keine Spur! Auch jeglicher Telefonkontakt bleibt aus. Der sympathische Besitzer des einzigen Zimmers, das es vor Ort mit verstelltem Meeresblick zu mieten gibt, meint vergnügt: „Try tomorrow again, Mister!“ Ich esse zwei Bananen und spaziere zur Pier. Auf zwei Motorrädern kommen zwei junge Männer dahergebrausst, steigen ab und fragen: „Bist Du Mr. Beat, der mit der Ovomaltine? Samsjul gab uns den Auftrag Dich zu suchen; er wohnt auf der anderen Seite der Insel.“

Die kommenden zwei Tage fahren wir kreuz und quer über die Insel. Schwimmen in Lagunen und Süsswassergrotten, besuchen Hahnenkämpfe, schauen den Magiern zu, wie sie die tödlichen Messer am Fuß des Hahnes befestigen und ihn mit geheimen Sprüchen beschwören. Bewundern ein stolzes rot und blau gestrichenes Fischerboot, das in der kommenden Woche mit einem großen Fest zu Wasser gelassen werden soll. Am Strand unweit von meiner Unterkunft sind ein gutes Duzend Pinisis im Entstehen. Überall winken mir die Leute zu: „Mister, Mister!“ Kein Wunder, auf diese Insel hat es schon lange keinen Weißen mehr verschlagen.

Nach einer Woche bietet sich die Gelegenheit zur Weiterfahrt auf einer Pinisi namens Medina. Ich solle ja pünktlich um 7 Uhr am Hafen sein, meint Kapitän Nidun, als wir ihn am Vorabend der geplanten Abreise besuchen. Um 9 Uhr hieven wir sein Motorrad in ein kleines Beiboot, dann an Bord. Um 10 Uhr kommt die Meldung: “Besok Baru Barakat!“ Verständnislos blicke ich zum Maschinisten. Mein kleiner Diktionär hilft: Reise auf morgen verschoben. Die Seeleute gehen wieder von Bord, der Kapitän war gar nicht aufgetaucht. Der Maschinist und ich verbleiben auf der Medina. Was soll ich an Land? Auf dem Schiff ist mir wohler und auch hier gibt es ein Motorrad. Und das steht still! Anderntags stellt sich heraus: Der Steuermann hatte einen über den Durst getrunken und war unpäßlich.