Minichip als Datenträger

ANALOG ODER DIGITAL?

Fotografie: Minichip als Datenträger. 32MB Speicherkapazität cirka 12000 Bilder im Format 25×18 cm / 300 dpi / jpg. Hintergrund: Film für 36 Bilder

Seit 45 Jahren ist dies meine erste fotografische Reise, ohne einen einzigen Film im Gepäck. Ein guter Schachzug? Sicher aber eine Überlegung, der ein rationaler Gedanke zugrunde liegt. Das geplante Buch Surabaya Johnny wird in 12 Monaten auf der Buchmesse präsentiert, die Zeit ist knapp.

Größter Vorteil der Arbeitsweise mit Film ist sicher, daß Abbilder auf Zelluloid erwiesenermassen eine lange Haltbarkeit besitzen und daß man etwas Physisches in der Hand hält. Zudem: Unterwegs und nach einem anstrengenden Arbeitstag werden die Filme beschriftet und numeriert, dann weggepackt. Erst Monate später wird es im Labor weiterverarbeitet. Diese zeitliche Distanz und das Wiederaufwachen von vergangenen Momenten im Entwicklungsbad haben eine hohe Qualität und bringen viel Ruhe und Reflektion mit sich. Da es bei der analogen Fotografie keine unmittelbaren Resultate zu sehen gibt, sind eine äußerst präzise Arbeitsweise und viel technisches Wissen wichtige Voraussetzungen zum Erfolg. Dies bleibt bei der digitalen Arbeitsweise größtenteils auf der Strecke. Die Möglichkeit der sofortigen Fehlerbereinigung bei der digitalen Fotografie hat die fotografische Arbeit, die Spezialisten vorbehalten war, zum Allgemeingut gemacht.

Auch unterwegs hat die digitale Fotografie seine Tücken. Viel elektronisches Gerät muß herumgeschleppt werden, elektronische Kameras, Computer, Harddisk, Kabel etc. – heikles Gerät, anfällig auf Schläge, Feuchtigkeit, Hitze, Kälte usw. Der große Vorteil für den Fotografen hingegen, er kann seine Bilder vor Ort ordnen, aussortieren, bereits unterwegs bearbeiten, verschicken und zudem eine druckfertige Vorlage für ein Buch oder einen Katalog noch vor der Heimreise vorlegen. Aber die gemütlichen Abende mit Einheimischen sind rarer geworden, man sitzt inzwischen nicht mehr auf der Brücke neben dem Kapitän oder mit Piraten in der Hafenkneipe, sondern am Computer und bearbeitet das Tageswerk.

Auch ich bin inzwischen – wenigstens vorübergehend – digitales Opfer meiner Selbst!