Fotografie: Hafen von Poetere, Makassar. Die Schiffahrt steht still, kein Schiff darf den Hafen verlassen.

ABRUPTES ENDE

Unerwarteterweise nimmt unsere mehrmonatige und ereignisreiche Seereise ein abruptes Ende. Gestoppt ausgerechnet von denjenigen, die uns bis anhin so behilflich waren. Zurück aus Minado hat sich die Situation nicht gebessert. Die Schiffahrt ist stillgelegt, kein Schiff darf den Hafen verlassen. Schuld sind die beiden Taifune, die Japan und unlängst die Philippinen heimgesucht und das Meer vor Sulawesi aufgewühlt haben. Bis 6m sollen die Wellen sich erheben und das Schiff, das uns mitnehmen würde nach Samarinda in Kalimantan sitzt im Hafen fest. Wie wir auch. Nach wie vor Regen, bedeckter Himmel und düstere Wetterprognosen.

Wir beenden unsere Wartezeit im Norden von Sulawesi und entscheiden, unser Glück abermals in Makassar zu versuchen. In Makassar begrüsst mich Professor Tato, Rektor der hiesigen Kunsthochschule, er hat mir bereits 2012 geholfen, ein Schiff nach Balikpapan zu finden. Schon bei der Begrüssung meint er enthusiastisch: „Jokowi ist unser neuer Präsident! Jokowi! Jokowi! Er wird die Korruption im Land endlich stoppen.“ Dann essen wir Fisch, Gemüse und Reis und fahren im Anschluss nach Poetere, um ein Schiff nach Surabaya zu finden. Im Hafen von Surabaya will ich meine Reise abschliessen. Aber es sollte anders kommen.

In Makassar dasselbe Szenario. Sturm, Wind, die Schiffahrt gesperrt. Dennoch, ein Schiff ist schnell gefunden. Eine wunderschöne kleine Pinisi mit einem sehr sympathischen Kapitän, der sich freut über zwei Gäste an Bord; eine gute Abwechslung für meine Mannschaft, wie er meint. Es fehlten aber noch die Papiere von der Coast Guard. Anderntags finden wir uns dazu abermals in Poetere ein, um uns die nötige Legitimität zu verschaffen. Vorsichtshalber nehme ich meinen Freund Zarkoni den Polizisten mit. Schon bei der ersten Instanz gibt es unerwartete Schwierigkeiten. Wir sollen mit dem Pelni Boot fahren, meint der wachhabende Coastguard und hat für unser Anliegen kein Gehör. Aber wir könnten es ja bei der Chefin der Coast Guard in der Stadt versuchen.

Zarkoni fährt uns zur Chefin. Sie ist uninteressiert, abweisend und will von unserer Recherche über die Schiffahrt im Indonesischen Archipel nichts wissen. „Wo ist ihr Pass?“ meint sie scharf. Ich entgegne, der sei beim Goethe Institut resp. der Passbehörde, aber ich hätte hier meine Identitätskarte und das «Surat Tanda Melapor». Alles hilft nichts. Kein Pass – keine Bewilligung.

Enttäuscht fahren wir zurück nach Poetere und berichten dem Kapitän wie uns geschah. Dieser ist außer sich, schimpft und meint, er würde uns auch so und ohne Bewilligung mitnehmen, aber das sei mit einer Gefahr verbunden: Immer wieder würden sie von der Coast Guard hier in Makassar aufgegriffen und müssten Schmiergelder für nichts und wieder nichts bezahlen. In dem Moment will ein Fischerboot den Hafen verlassen, um im Küstengebiet zu fischen. Mit einem Mal erscheint wie aus dem Nichts ein kleines Boot an der Seite des Fischerbootes und gut sichtbar findet eine Handänderung statt. „Coast Guards!“ meint der entnervte Kapitän.

Vielleicht täte die Chefin der Coast Guards in Makassar besser daran auf die Finger ihrer Leute zu schauen, als Kulturschaffenden an ihrer Arbeit zu hindern…