Die neu aufgebaute Orang Laut Siedlung in Sorong

ORANG LAUT

Orang Laut sind die Zigeuner oder die Leute des Meeres. Neulich fielen mir wieder die Aufzeichnungen des Forschungsreisenden und Filmemachers, Baron Victor von Plessen in die Hände. Er bereiste Indonesien in den 1920er und 1930er Jahren und beschreibt die Orang Laut in seinem unveröffentlichten Malaiischen Tagebuch wie folgt:

„Die Orang Laut leben mit ihren Frauen und Kindern auf den Schiffen und gehen fast nie an Land. Für sie hätte der liebe Gott am zweiten Schöpfungstag aufhören können, als er das Meer schuf. Irgendwo an einer entlegenen Küste stehen ein paar Pfahlhütten, weit ins Meer hineingebaut. Das sind ihre Dörfer, fast immer leer. Tief sitzt das Misstrauen gegen das feste Land und seine Bewohner den Orang Laut im Blut. Nur wenn die Notwendigkeit sie zwingt, gehen sie an die Küste, um Wasser aufzunehmen und Fische gegen Reis und Werkzeuge zu tauschen. Es sind ausgezeichnete Seeleute, die das Meer und alle seine Tücken kennen“.

Inzwischen ist dieses einmalige und ehemalige Seefahrervolk grösstenteils verschwunden, gezwungen durch fragwürdige Regierungsprogramme und andere Gründe. Heute leben die ehemals stolzen Völker entwurzelt in auf Stelzen gebauten Hütten in armen und ärmsten Verhältnissen am Stadtrand im Meer. In Sorong gibt es einige solcher Siedlungen. Eine davon ist vor drei Jahren völlig ausgebrannt. Nun wird die Siedlung wieder aufgebaut. Alle Bewohner haben einen Geldbetrag erhalten, um das nötige Holz zu kaufen. Für den Wiederaufbau sind sie selber verantwortlich. Ein sehr sinnvolles Unternehmen und es wird gebaut, gehämmert und gesägt was das Zeug hält. Nur eines ist vergessen gegangen bei diesem Vorzeigedorf: Die Abwasserentsorgung und die Kanalisation. Und so plumpst nach wie vor aller Unrat ungefiltert und direkt unter die Häuser ins Wasser.

Während unserem Besuch plumpst noch etwas anderes zwischen den neugebauten Häusern ins Meer. Ein dreijähriges kleines Mädchen. Sofort springen drei Orang Lauts hinterher um das arme Ding zu retten. Später sitzt sie da, die Kleine, erschrocken und weinend, pustet und spukt. Sie ist noch einmal – im wahrsten Sinne des Wortes – mit einem blauen Auge davongekommen. All das Wasser aber, welches das kleine Mädchen in der Kloake geschluckt hat, dient wohl der Stärkung des Immunsystems…