Kanubau mitten im Dschungel in Neu-Guinea

DER BÖSE TRAUM

Als wir mit Coast Guard Henkie nach Kokas Kota unterwegs waren trafen wir auf 800m Höhe einen Papua, der aus einem großen Baum ein Kanu fertigte.

Einige Tage danach auf dem Meer von Fafanlap nach Salafen hatte ich einen eigentümlichen Traum: Ich war versehentlich im Kochtopf gelandet. Wüste Gesellen und wilde Frauen mit krausem Haar und fürchterlichem Geschrei tanzten um mich herum. Papuas mit angemalten Gesichtern. Mit Spiegeln, Glasperlen, Ringen, Knochen in Haar, Nase und Ohr. Viel Funkelndes und Glitzerndes schmückten ihre stählernen Körper. Mit wildem lautem Geschrei und den Rhythmen von dumpfen Trommeln wurde ich ins Verderben gesiedet. Schweiß gebadet fand ich mich zurück auf meiner harten Schlafkoje, glücklich den Kannibalen entkommen zu sein. Und das Schlimme am Traum, der Kanubauer waren deren Häuptling!

Kannibalismus war noch bis vor kurzem, so ist unzähligen Untersuchungen und zeitgenössischen Berichten zu entnehmen, ein Bestandteil der Kultur auf Neu-Guinea. Als deutsche Missionare aus Deutsch-Neuguinea um 1900 von dieser Untugend berichteten ging ein Schrei der Empörung durch Europa. Ausgerechnet Europa, welches seit 1500 durch Eroberungszüge durch die Welt, von Feuerland bis Tasmanien, von Mexico bis zur Südsee Kulturen vernichtet und Millionen von Leuten umgebracht und massakriert hatten, war jetzt außer Rand und Band. Nur weil sich am Ende der Welt einige Stämme Krieg führten und sich nach den Kämpfen ein Siegesmahl genehmigten. Die Missionare antworteten mit erhobenen Zeigefinger, und brachten den Kannibalen die Bibel. Das deutsche Reichskolonialamt reagierte mit harter Hand und Strafexpeditionen. Meist ohne Erfolg. Wer wagt sich schon gerne in das Dickicht der Regenwälder in Neu-Guinea?

Während ich mir das Alles auf meiner Koje durch den Kopf gehen lasse, fällt mir der Bootsbauer wieder ein. Gut war ich nach Kokas Kota mit dem Motorrad unterwegs und nicht am Abend zu Fuß…