Ein Königreich für einen Schlafplatz

Von Bau Bau nach Ambon

AUF DEM MEER. 16. JUNI 2014

Sinabung. Das prächtig beleuchtete Schiff legt an. Hunderte von Leuten, voll bepackt, umgeben von noch mehr bepackten Trägern entleeren den Bauch des Schiffes. Dennoch, als wir endlich an Bord sind, mit jenen die mit uns gewartet haben, ist kein Platz mehr zu finden. Alles ist belegt, die Schlafräume, die Gänge, die Treppen. Überall Leute, die von Insel zu Insel reisen um Familie und Verwandte zu besuchen oder ihren Geschäften nachzugehen. Auf Deck aber finden wir noch Platz, zwischen Verkäuferinnen, die am Boden sitzend ihre Waren feilbieten. Von Kaffee und Gebäck bis zum elektronischen Gerät ist so ziemlich alles zu finden, was man sich vorstellen kann. Als der Imam zum Morgengebet ruft stechen wir in See.

Als der Tag anbricht ist Sulawesi nur noch silhouettenhaft im Nebel erkenntlich. Inzwischen macht der Seegang einigen Passagieren zu schaffen. 4 – 5 Meter hohe Wellen, Windstärke 5 – 6, eine Bugwelle, die sich bis zu 10 Meter der Bordwand empor bäumt, bringt selbst ein grosses Schiff wie die Sinabung zum Schaukeln.

Über Lautsprecher wird die Billetkontrolle angekündigt. Alle Türen werden verschlossen. Jene, die sich im Schiff befinden bleiben drinnen; alle anderen draussen. Alles wird abgesperrt, dann beginnt eine akribische Kontrolle. Selbst die Rettungsboote werden durchsucht. Wahrscheinlich sucht man nach den sechs blinden Passagieren, die sich in der Nacht zuvor dem Tau der Bordwand emporgeangelt haben. Nach der erfolglosen Kontrolle und Suche ertönt abermals der Bordlautsprecher. Eine Einladung zum Besuch im Bordkino mit einem ganz speziellen Leckerbissen: Ein Actionfilm mit Arnold Schwarzenegger…