Vor dem Sturm ist nach dem Sturm

Rauch und Sturm

AUF DEM MEER. 17. JUNI 2014

Indonesische Männer rauchen gern. Ungeniert, viel, überall und jederzeit. Alle Schlaf- und Aufenthaltsräume sind verraucht. Obwohl immer wieder die Durchsage über den Bordlautsprecher ertönt, man solle innerhalb des Schiffes auf das Rauchen verzichten und Rücksicht auf Frauen und Kinder nehmen, bleibt die Aufforderung ungehört. Bis noch vor kurzem waren es die nach Nelken riechenden Kretek Zigaretten, die den Lebensraum der Leute anreicherte. Seit vor wenigen Jahren Philip Morris die eine oder andere indonesische Kretek Zigaretten – Marke aufgekauft hat, verdrängt der neue Duft aus den Vereinigten Staaten den alteingesessenen lokalen Nelkenduft.

An Deck ist es luftig und kühl. Der Boden hart und unbequem, aber viel angenehmer als in den überfüllten und verrauchten Innenräumen. Gegen Mitternacht des zweiten Tages bedeckt sich der Himmel bedrohlich – gepaart mit hohem Wellengang. Dann fegt tropischer Regen über die Sinabung. Passagiere, die neben uns einen Schlafplatz gefunden hatten und die Verkäuferinnen flüchten von Deck ins ohnehin bereits übervolle Bootsinnere um irgendwo noch ein kleines und trockenes Plätzchen zu finden.

Ich stülpe meine Regenjacke über, schütze meine Kamera gegen den Regen und schreite das Deck ab. Was vor Stunden noch einem Rummelplatz glich, ist jetzt leergefegt. Keine Seele an Deck. Nur der Regen und das Pfeifen des Windes sind zu hören. Mit einem Mal gleicht die Sinabung einem Geisterschiff.