Beat Presser erzählt von seiner Reise auf dem Meer

MUSLIME und CHRISTEN

AMBON. 18. JUNI 2014

Kaum der Sinabung entstiegen begegne ich John. Er sieht mich, steigt von seinem Motorrad und fragt: „Anything I can do for You?“ Ich frage nach dem Weg nach Latu Halat und überlasse ihm meine Telefonnummer. Anderntags 7 Uhr läutet mein Telefon. Ob ich an seiner Schule Englisch unterrichten wolle? Er käme sogleich und hole mich ab. Ich vertröste ihn auf 10, pünktlich ist er da. Drückt mir einen viel zu kleinen Helm – eine Art Kinderplastikbadewanne – in die Hand und will gleich los. Zuvor aber zeigt er meinem Begleiter Antonius Waffenschein und Pistole. Er sei Christ und würde an einer Schule für Muslime unterrichten. 1999 sei es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen mit über 10 000 Toten gekommen. Ein lange andauernder Konflikt und er müsse gewappnet sein.

Wir steigen aufs Motorrad und fahren nach Ambon. Eine hüglige Stadt mit vielen Tälern, viel fruchtbarem Grün. Vorbei an großen Stoffflaggen. Deutschen, französischen, brasilianischen, holländischen. Eine internationale Konferenz in der Stadt? Ich frage nach und bekomme zur Antwort: „Holland wird Fussballweltmeister!“ Ich entgegne: „Stimmt nicht, die Schweiz gewinnt.“ John muß dermaßen lachen, daß er beinahe ein Huhn überfährt und vom Motorrad fällt.

Die Schule ist eine kleine. Knapp 40 Schüler, alles Waisen oder Halbwaisen, die hier unterrichtet werden und ganz gespannt und fasziniert meinem Unterricht folgen und sich wohl denken: „Da steht einer erzählt von seiner Seereise, von den Schweizer Bergen, von der Geographie. In der Hand hält er einen Globus aus Plastik den er so schnell durch die Luft jongliert und uns die Welt erklärt, so daß wir die Schweiz und Südamerika durcheinander bringen. Zum Schluß, als er das Klassenfoto knipst, steht er mit seiner roten Clownsnase im Klassenzimmer!“