Ein Schiff entsteht

Bootsbau in Bira, Sulawesi

4. Juni 2014

Pünktlich am 4. Juni treffen wir in Makassar ein. Der Weg von Tarasu führte über Bira und Tanaberu. An beiden Orten werden Pinisis gebaut. Imposante Gebilde, wieder bekomme ich den Eindruck, ich stehe vor etlichen Arche Noahs! In Bira entstehen gleich fünf riesige 60m lange Pinisis im Auftrag eines Malaiischen Chinesen. Nicht allen anderen Bootsbauern in Bira und Tanaberu gefällt dies. Für den Bau der fünf Schiffe und vier weiter geplanten würde das ganze Holz gebraucht, der Chinese würde alles monopolisieren, überzahlte Preise zahlen und für die anderen Bootsbauer sei über Monate kein Holz erhältlich. Böse Zungen wünschen sich, daß die eine oder andere Pinisi bei der Jungfernfahrt aus dem Ruder läuft und eine Ende nehme wie damals die Titanic.

Ich kann es nicht beurteilen, staune aber über die enorme Größe und die Dimensionen dieser fünf Schiffe. Ich steige in den Bauch eines der Schiffe – ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen. Drinnen im Schiff wird gebaut, gehämmert, gesägt, gehauen, gebohrt, zugeschnitten, Kaffee gekocht und Kretek Zigaretten geraucht. Das Ganze wirkt wie eine in sich selber abgeschottete Welt.

In Tanaberu ist die Stimmung schlecht. Nur wenige Schiffe sind im Bau; ganz anders als bei meinem letzten Besuch. Es gibt nicht viel zu tun. Wir führen es auf die Vorkommnisse in Bira zurück, sitzen in den Bus und fahren nach Makassar. Gerade rechtzeitig zum Makassar International Writers Festival. Vier Stunden nach unserer Ankunft stehe ich auf der Bühne und stelle unser Surabaya Johnny Buch-Projekt vor. Alles kam völlig unerwartet! Kurz zuvor traf ich mich mit Lily Yulianti Farid, der Direktorin des Festivals, erklärte ihr kurz das Projekt, daß ich zum Festival mit einer Pinisi gekommen sei und indonesische Schriftsteller suche, die Texte für das geplante Buch schreiben könnten.