Die Muskatnuss, Smaragd des Äquators

AMBON UND DIE MUSKATNUSS

AMBON. 21. JUNI 2014

In einer Hauptstrasse von Ambon sitzt ein dicker sympathischer Chinese und hantiert an seinen beiden Smartphones. Vor seinem kleinen Lagerhaus auf dem Trottoir trocknen frische Nelken. Er bittet uns herein und erzählt von seinen Geschäften und der Geschichte der Gewürzinseln. Im ersten Stock sitzen drei Studentinnen und sortieren Muskatnüsse. Ein älterer Herr verpackt Nüsse und Nelken während der Chef am Telefon mit einem Kunden in Hong Kong verhandelt. Chang exportiert Muskatnüsse, Nelken und Kakao nach Korea, Japan und China, nur die beste Qualität, wie er meint.

Die Gewürzinsel Ambon und einige anderen Nachbarinseln der Molukken waren lange die einzigen Orte der Welt wo Gewürznelken und Muskatnüsse wuchsen. Beide Gewürze finden in der Küche, traditionellen Heilkunde, Medizin und Kosmetik Anwendung und waren bereits im Altertum wertvolle Handelsware. Julius Caesar waren die Molukken unter dem Namen Supercilium Mundi bekannt; für Chinesen, Araber, Inder und Europäer waren beide Gewürze edles Handelsgut und als Smaragd des Äquators bekannt.

Chang erzählt, die Geschäfte gingen gut und in der kommenden Woche würde er mit 40 anderen Chinesen in die Schweiz fliegen. Ich frage wohin? Chang hat keine Ahnung. Er meint, alles sei organisiert, greift zum Telefon und spricht kurz mit dem Reiseleiter: Von Zürich aufs Jungfraujoch meint er stolz und erzählt, die Reise würde eine Woche dauern. Ich entgegne, dass sei etwas kurz für die Schweiz! Aber Chang drückt seine Zigarette in den bereits übervollen Aschenbecher und meint: „Not too short; time is money!“ Ob er Frau und Kinder mitnehme? Nein, meint er mit einem zufriedenen Lächeln: “Die fahren nach Hong Kong; zum Disney Park!“